Kapitel 106 * ein Tag von der ungemütlichen Sorte

 

Die kommende Erzählung schieben wir mal in Kategorie „NON PLUS ULTRA“! Sollte an den bisherigen Zeilen etwas an Spannung gefehlt haben, werden die nächsten es gleich ändern. Mag sein, dass bei manchen Lesern nun etwas Zweifel besteht, als sei hier etwas gemogelt, doch meine drei Finger kleben schon wieder am Herz.

*      *      *

Letztes Jahr fuhr ich zu einer Praxis Nähe Deggendorf, um meiner Seele etwas weiterzuhelfen. Die Behandlung war hochinteressant und mein Innerstes war äußerst zufrieden.

Die darauffolgenden Monate verliefen reibungslos dahin, was aber doch eines Tages spontan ein ordentliches Problem herbei rief. Ich hatte nämlich für eine sehr gute Freundin (48 Jahre wahre Freundschaft) eine Überraschung arrangiert und ergatterte für ein Minikonzert zwei Eintrittskarten, das bei uns ganz in der Nähe stattfand. Was mir im höchsten Maße ganz gut gelungen ist und ihr eine außerordentliche Freude anzusehen war. Der Tag rückte immer näher und ich mit einer Grippe auch. In mir reifte ein schwerer Entschluss heran – ich werde nicht fahren.

                         Und es war wieder einmal zum Knochen kotzen!!

 Einen Tag vor dem Konzert schickte ich ihr per E-Mail ein Foto mit einem saftigen roten Zinken darauf. Mir war ordentlich zum Heulen, ich konnte in keinster Weise fahren. Es ereignete sich ein Gemütszustand der Verzweiflung im absoluten Tiefstand. Ein Blick in die mords geschwollenen Augen, hätten jeden halbwegs vernünftigen Menschen überzeugt, dass dieser morgige Ausgehtag niemals klappen wird.

Der letzte Tag kam. Dem konnte ich zwar leider nicht viel abgewinnen und sagte zu ihr, dass sie sich jemand anders zum Fahren suchen muss. Dabei versuchte ich verzweifelt, alles mit meinen Sinnen zu erfassen, so dass es für sie auch begreifbar war. Es versetzte mir einen Schock, der mir gewaltig in den Knochen saß. Wir hatten noch einmal telefoniert, sie hörte sich meine quiekende Stimme an und am anderen Ende der Leitung kam weder Freude noch ein Lächeln, sondern eine Art Feststellung, die keinen Zweifel mehr zuließ. Das war bitter und zugleich zum Allerwertesten reinzubeißen.

Plötzlich durchfuhren mich mit einer Portion Mut und etwas Abenteuergeist ziemlich komische makabere Gedanken.

Eine zündende Idee schoss mir durch den Kopf und mir fiel spontan dieser Mann ein, bei dem ich wie vorher beschrieben, in Behandlung war. Ich rief ihn an, um zu fragen, ob er auch eine Fernbehandlung machen könnte und erzählte mit piepsender Stimme, dass ich da  >>> h e u t e <<<  unbedingt hin will. Danach beschrieb er, was ich dabei zu tun hätte.

Nach seinen Anweisungen nach zog ich auf einem Zettel ein paar Striche und stellte ein Glas Wasser darauf, dieses ich in den nächsten 15 Minuten schluckweise trinken und ihn nach 2 Stunden wieder anrufen musste. Glaubwürdig schien mir das nicht ganz im Kopf rein zu gehen, aber ich war im Begriff, gehorsam auf seinen Rat zu hören. Daran ließe sich diese höchst spekulative Frage ausschließen, ob dieses Ding wirklich wirken soll und nippte andächtig an diesem Transformationsgetränk. Okay, mein Verstand und Gefühl hielten sich in Waage. Trotzdem stand ich da, wie „bestellt und nicht abgeholt“. Nebenbei kam der Gedanke, was machst du bloß in dieser Zeit, denn Abwarten war noch nie meine große Stärke und entschloss mich impulsiv, ein warmes Bad zu nehmen. Gute 20 Minuten zitterte ich auch noch in der Wanne. Da das Schnäuzen sowieso kein Ende nahm und alles beinahe gleich einer Influenza ähnelte, hegte ich jedoch noch immer meine Zweifel.

Nun kommt von dieser ganzen Geschichte der Oberhammer. Ich trocknete mich ab, zog mich schnellstens an, weil ich furchtbar fror. Ein kurzer Blick in den Spiegel – doch der kurze Blick verlängerte sich und ich stand sprachlos unter dem Eindruck des soeben Erlebten. Ohne, dass ich mein Gesicht auch nur ein bisschen nass gemacht habe, vielen mir von der entzündeten, voll verkrusteten Nase, kleine Teilchen ab. Heimlich fragte ich mich, ob ich nun doch den Verstand verliere und musste mich nahezu etwas sortieren. Gleichzeitig war mir dieser Ablauf nämlich „drei ganze Nummern“ zu groß und hörte in meinem Innern als oberste Regel: Nerven behalten! Mit starren Augen, weil ich es nicht fasste, konnte ich diese Dinger teils abnehmen. Die Nase war nicht mehr so rot und ich fühlte mich erheblich besser. „Mein lieber Schwan!“ hörte ich mich plötzlich selber zu dieser bewegenden Situation sagen.

Moment mal: Kann es sein, dass Sie mir nicht ganz glauben? (Es ist kein Roman, ja!! damit ich das gleich klarstellen möchteJ).

                                                 Lesen Sie nur weiter!

In meinem Kopf wirrte es. War es denn das getrunkene Glas Wasser? Hatte ich da etwa eine Art Informationsgetränk geschluckt? Ich konnte die restliche Zeit gar nicht mehr abwarten und rief diesen Herrn „soundso“ wieder an. Er bemerkte auch gleich, meine Stimme knackste nicht mehr so hoch und versprach mir im Laufe des Tages noch ein paar Fernbehandlungen einzuplanen. Ich war gerade dabei, mich fest in dieses Gefühl zu verlieren, dass noch nichts verloren sei. Wie ein kleines aufgeregtes Kind wählte ich sofort die Nummer der Freundin. Mit einem gewissen Maß an Überraschung, meinte sie, das sei unmöglich, das gibt es nicht und glaubte an eines meiner öfters spaßigen Telefonate. Ich babbelte hervor: „Es ist alles von der Nase abgefallen, sie ist nicht mehr entzündet und ich fühle mich total gut. Das heißt, wir können vielleicht doch noch fahren!“

Anschließend probierte ich ihre verzerrte Denkweise systematisch zu identifizieren, denn sie glaubte immer noch, damit dieses Gespräch mit einem Haken verbunden sei.

             >>>> Ab da schickte ich unendliche Stoßgebete zum Himmel. <<<<

Am späten Nachmittag, etwa gegen 17:00 Uhr, merkte man mir fast nichts mehr an, so wie ich am Morgen noch elend da gehangen bin. Alles wie weggepustet!! Mein Mann kam von der Arbeit, der wusste ja noch vom Morgen her, das ich auf keinen Fall fahren werde. Anscheinend schien ich auf ihn keine beruhigende Wirkung auszustrahlen, denn ich konnte mich kaum mehr über diese unerwartete Rettung im Zaum halten und alles schoss wie aus einer Pistole nur so heraus. Ich kann darüber schlecht eine Erklärung abgeben, was er sich in diesem Moment wohl dabei gedacht hat. Mir war nur eines wichtig, ich brauchte kein Taschentuch mehr und in Anbetracht des Zeitdrucks, den ich zunehmender zu spüren bekam, flitzte ich nach dem Saubermachen der Küche mit einem Affenzahn ins Badezimmer und fing an, wie eine Verrückte auf und ab zu springen. Etwas festlicher gekleidet kam ich anschließend wieder runter und wusste nicht, wie ich diese jetzigen Gefühle verarbeiten sollte. Was war ich HAPPY!! Nun wurde mir erst richtig bewusst, welch einen Vogel ich da für diese geheimnisvolle Fügung abgeschossen habe.

Das Konzert verlief sich wie in pure Gänsehaut und ich sah uns zwei im Doppelpack, die geradezu eine pure Lebensfreude versprühten. Beide hatten wir Unmengen an Spaß und trotzdem eine unglaublich elegante Figur gemacht. Klar, wir hatten einen super Sitzplatz und mit unseren Füßen haarscharf das Podium berührt. Mit den Bekannten aus dem gleichen Ort, die uns dort gesehen haben, vermochte ich erst gar nicht darüber zu reden, sie hätten mir diesen theatralischen Aufzug niemals ernstlich abgenommen, was sich am Morgen da noch abspielte. Andernfalls konnte ich ihnen schlecht die Glaubenswürdigkeit verleihen und es hätte nur für hitzige Diskussionen gesorgt. Also, bemühte ich mich, die eigenen Gedanken zum Schweigen zu bringen.

Wie jedes Konzert auch einmal zu Ende geht, fuhren wir in schwindelerregender Höhe wieder nach Hause. Noch voller Träume stand ich am nächsten Morgen auf und musste anschließend diesen “Herrn“, den ich Ihnen gleich vorstellen werde, nochmals Bescheid geben. Meine brennende Frage, die ich ihm stellte, ob er dabei quasi eine Verbindung zur GEISTIGEN WELT herstellte, meinte er mit bejahender Stimme: Es war ja nicht er, der mein Problem auflöste. Den Rest dieser verdauungsschweren Kost konnte ich mir logischerweise gut zusammenreimen. Das würde doch bedeuten: So wie uns die Botschaften aus der Geistigen Welt oft in unseren Träumen erreichen können, geht das auch im Wachzustand. Sogar meine Freundin kitzelte dieser geheimnisvolle Reiz des Spirituellen an ihren Gehirnzellen. Durch dieses völlig unerwartete GÖTTLICHE GESCHENK verschaffte es ihr erst recht die richtigen Glücksgefühle.

Weiter…

Ob Sie das nun glauben oder nicht, aber ein paar Stunden später, nach seinem Gespräch, musste ich wieder schnäuzen, die Augen tränten wieder von vorne und die Nase fing auch wieder an zu Laufen.

Dieses Gefühl, wie „frisch aus der Wäschemangel“ war spontan verschwunden. Aber das war mir ehrlich gesagt ganz Wurst, denn die Hauptsache war, dass wir auf diesem kleinen Konzert unser Vergnügen hatten.

Da ich jetzt diese Person noch vorstellen muss... ...

        ...es war ein Tierarzt.  Ja, ich war bei einem Tierarzt.

Eine wahre Begebenheit, die nicht einmal meine ganze Familie weiß. Aber vieles, was nicht geheim bleiben kann, schwimmt eines Tages doch mal an die Oberfläche. Und irgendwann wird mit Sicherheit wieder mal ein Tag kommen, an dem man sich gerne wieder daran erinnert und es uns vielleicht als Erkenntnis der Wahrheit wieder begegnen wird.

An dieser Stelle sei angemerkt: Sind wir doch viel mehr voller Ehrfurcht vor dem Leben, dann bemerken wir auch die wahre Seligkeit, die darin liegt. Egal, wohin uns das Leben verschlägt, es wird uns immer gelingen, sich in neue Situationen einzufügen, wenn wir um  *H I L F E *  bitten.


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